Der Umgang mit Macht - Dr. Karin Rasmussen

Was nützt ein Coaching?

Und wofür Coaching, wenn ich doch nichts ändern kann? Dieser Frage stellen sich Coaches immer wieder. Sie freuen sich sogar über die Gelegenheit, anderen den Nutzen von Coaching zu erklären. Und dabei stoßen sie manchmal zunächst auf Unglauben: Wenn der Coach nicht „hilft“, wozu braucht man ihn dann?

Denn das erste,

was Interessenten von Coaches erklärt bekommen ist: Es liegt an Dir! Damit ist nicht etwa eine Schuldzuweisung gemeint. Sondern die Tatsache, dass niemand, auch kein Coach, einen anderen Menschen ändern kann. Wir alle können uns nur selbst ändern.

Nun, die Übersetzung von Coaching als „Hilfe zur Selbsthilfe“ ist wohl die einfachste Erklärung, warum und wofür ein Coaching nützen könnte. Aber ist das auch richtig? Wir alle kennen die Situation, dass wir von selbsternannten Besserwissern ungefragte Ratschläge bekommen. Immer unter der Überschrift: Ich will Dir ja nicht dreinreden, aber… (es wäre für Dich am besten, wenn du auf mich hörst, denn ich will Dir helfen)!!!

Manchmal sind diese Ratschläge sogar wirklich hilfreich,

auch wenn wir nicht darum gebeten haben. Unangenehm wird es nur, wenn der Ratgeber sich einleitend oder anschließend aufspielt – so als wären wir ohne seinen Rat zu völliger Unfähigkeit verurteilt. Oder wenn er Rechtfertigung von uns erwartet, falls wir seinem Rat nicht folgen. Dann spüren wir: Da will uns jemand helfen, indem er uns sein eigenes Programm „überhilft“. Oft hört es sich denn auch genau so an. Wir bekommen erklärt: Du musst an Deinem Mindset arbeiten … oder: Also ich an Deiner Stelle würde…

„Wess' Brot ich ess' …

… dess’ Lied ich sing?“ Diese uralte Redewendung wird von manchem Coaching- Kritiker benutzt. Nach diesem Motto erklären sie unterschiedslos jeden Coach zum bezahlten Speichellecker oder Schönredner. Doch sie irren sich: Ein guter Coach ist durchaus in der Lage, die Schwächen und Fehler seiner Coachees gemeinsam mit diesen zu bearbeiten – wenn er den Auftrag dafür hat! Meist lautet aber sein Auftrag nicht: Erkläre mir, was ich falsch mache!

Vielmehr sollen im Coaching individuell passende Problemlösungen gefunden werden, für welche die benötigten Ressourcen bei den Coachees selbst bereits vorhanden sind. Das heißt, es geht um deren eigene Fähigkeiten, Kenntnisse, Stärken, deren man sich bisher ungenügend oder gar nicht bewusst ist. Als Coach ist man also so etwas wie ein Prospektor: gemeinsam mit den Coachees werden deren unbewusste oder ungenutzte Potenziale erkundet, so wie Geologen bisher unentdeckte, aber vorhandene Lagerstätten von Bodenschätzen erkunden. Das ist der besonders spannende Prozess, um den es im Coaching geht! Welche der Potenziale von Coachees sind für eine Problemlösung besonders wertvoll? Wie kann ein Coachee diese für sich erschließen und wirksam machen? Darüber Klarheit zu gewinnen, ist das eigentliche Anliegen von Coachees. Sie wollen sich nicht nach den Vorstellungen irgendeines anderen Menschen entwickeln, sondern nach ihren eigenen. Diese eigenen Vorstellungen für sich selbst zu klären, zu ordnen, in ihren Zusammenhängen zu verstehen, ist der Nutzen von Coaching – also der Auftrag für den Coach. Deshalb kann schon ein Vorgespräch mit einem guten Coach sehr nützlich sein! Denn es kann sofort zu weiterer Klarheit führen, auch wenn nicht gleich ein ganzer Coaching-Prozess in Anspruch genommen wird. Ein nächster Schritt zu einer Problemlösung ist damit schon getan.

Meine Einladung an Sie:

Wenn Sie aus meinen Beiträgen schon Tipps, Anregungen oder einfach hilfreiche Ideen zu richtig guten Chefbeziehungen bekommen haben (so dass Sie anderen Führungskräften jetzt besser mitteilen können, wie sie mit Ihnen umgehen sollen), dann freue ich mich auf Ihre Meinung unter:

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