Kennen Sie Ihren Autopiloten?

Kennen Sie Ihren Autopiloten?

Es gibt Auswahlverfahren und es gibt Zufälle,

wenn der oder die Richtige für eine konkrete Führungsaufgabe gefunden werden soll. Fast immer erfolgt die Entscheidung mit dem Fokus auf die Qualifikation der möglichen Kandidaten. Aber ein Faktor wird dabei oft vergessen: Unser Denken, Fühlen und Handeln wird zu mehr als 80% unbewusst gesteuert. Auch und besonders im Umgang mit der Macht und selbst dann, wenn wir es nicht wahrhaben wollen!

Wir sind viel seltener in der Lage, uns bewusst zu steuern, als wir glauben.

Natürlich haben wir immer eine Begründung, warum wir so oder so entschieden, uns auf eine bestimmte Art verhalten oder eine sehr verständliche Emotion empfunden haben – hinterher! Unser Gehirn liefert uns Erklärungen nach Wunsch auch dann, wenn wir vielleicht selbst überrascht, über uns verwundert oder verärgert sind und es lieber anders gewollt hätten.

Die Ursache dafür ist ganz einfach.

Unser Autopilot, den wir seit unserer Geburt trainieren, liefert uns die Programme! Das ist auch bei Führungskräften so. Die Aufgabe dieses genetisch eingebauten Autopiloten besteht darin, uns vor allem “Unheil” im wahrsten Sinne zu bewahren. Die Frage ist nur, was im Algorithmus unseres Autopiloten als Unheil vorgesehen ist. Da gibt es die angeborenen Instinkte, die in erster Linie unser Überleben und unsere Unversehrtheit sichern sollen. Und gleich danach kommen die Emotionen ins Spiel, die unsere Biochemie steuern und für unser Wohlbefinden zuständig sind. Diese beiden – Instinkte und Emotionen – sind sozusagen die Treiber des Autopiloten und sie sind verdammt schnell! Denn sie sind von Natur aus eingebaut und sie funktionieren bei allen Menschen gleich. Es ist immer dasselbe: auf Reiz folgt Reaktion.

Was unsere Autopiloten voneinander unterscheidet

 – warum wir unterschiedlich auf gleichartige Situationen reagieren – das sind die durch Bildung, Erfahrung und Training erworbenen Fähigkeiten, unsere Werte und Motive. Diese bestimmen, welcher konkrete Algorithmus aus der Vielzahl der Möglichkeiten angeschaltet wird, ob und welche Reaktion auf einen Reiz erfolgt. Deshalb sind auch Qualifikationen wichtig.

Jedoch: Instinkte und Emotionen werden durch Qualifikationen nicht ausgeschaltet!

Sie bleiben aufgrund ihrer Natur und ihrer Aufgabe schneller als unser rationales Denken, das immer erst einmal Informationen empfangen, sortieren und verarbeiten muss. Meistens haben wir schon reagiert, ehe wir überhaupt erkannt oder verstanden haben, was vor sich geht. Das ist so, weil entwicklungsgeschichtlich unsere Instinkte und unsere Emotionen schon viel früher und länger trainiert sind als unser rationales Denken. Denn dieses rationale Denken hat sich erst deutlich später entwickelt – und es ist immer noch am “Üben”. Es hat aber auch viel mehr zu tun, je mehr Informationen es zu verarbeiten hat!

 Unser Autopilot hingegen macht zuverlässig das, wofür er sich entwickelt hat: er stellt uns in schwierigen Situationen sicherheitsrelevante Verhaltensprogramme zur Verfügung! Und natürlich kann er das nur für uns selbst tun, denn wir sind ja sein Trägersystem. Wir werden sozusagen zu automatischen Egoisten. Das Schwierige dabei ist, dass jeder von uns im Laufe des Lebens eine eigene Mischung von “Gefahren” im Algorithmus des Autopiloten gespeichert hat! Wer zum Beispiel schon früh die Erfahrung gemacht hat, für Fehler bestraft zu werden, der hat eventuell eine ausgeprägte Versagensangst ausgebildet. Wer hingegen nur für besonders herausragende Ergebnisse überhaupt beachtet wurde, neigt vielleicht zu ausgeprägtem Perfektionismus und überfordert sich damit selbst. Denn unser Autopilot steuert uns fast immer unbemerkt, wir sind uns dessen nicht bewusst.

"Denken Sie, eher Sie handeln"

ist demzufolge eine schwer zu erfüllende Forderung. Sicherlich haben Sie sich auch schon mehr als einmal geärgert, dass Sie in einer schwierigen Situation zu schnell gehandelt haben. Hinterher sind Ihnen andere und bessere Lösungen eingefallen und Sie glaubten dann, dass Sie mit etwas mehr ruhigem Nachdenken auch schon eher auf diese besseren Lösungen hätten kommen können.

Trösten Sie sich: Das ist ein Irrtum!

Und all die Kritiker und Besserwisser, die Ihnen mit “man hätte wissen müssen…” oder ähnlichen Weisheiten kommen, irren sich genau so. Denn auch die werden von ihrem eigenen Autopiloten gesteuert.
Statt also all zu kritisch mit sich selbst oder mit anderen ins Gericht zu gehen, lohnt sich eine nähere Betrachtung des Autopiloten. Wofür ist er da, wann schaltet er sich ein, wie gut funktioniert er?

Von Flugreisen kennen Sie das vielleicht: Kurz nach dem Start stellt sich der Flugkapitän über Bordfunk vor, nennt uns die wichtigsten Parameter der Reise und begrüßt uns als Passagiere. Wir wissen jetzt, wer die Verantwortung für den reibungslosen Ablauf der Reise übernommen hat. Bei längeren Reisen kann es dann passieren, dass genau dieser Kapitän aus dem Cockpit auftaucht und lächelnd durch die Reihen der Passagiere wandert. Wer fliegt jetzt die Maschine? Klar, es könnte der Copilot oder der Autopilot sein. Aber wissen wir das?

Mal abgesehen davon, dass Führungskräfte ihre Stellvertreter kaum als Copiloten betrachten, übernehmen diese ja die Führung auch nur dann, wenn sie dafür beauftragt werden. Unser Autopilot hingegen befindet sich ständig “im Dienst”. Wenn wir abgelenkt, erschöpft oder überfordert sind, übernimmt er die Führung über uns ganz von allein – anders als Stellvertreter. Wir können ihm die Verantwortung auch nicht entziehen, dafür ist unsere bewusste Reaktion, wie gesagt, zu langsam.

Aber wir können das Wirken unseres Autopiloten rückblickend analysieren!

Warum ist er angesprungen? Auf welche Auslöser hat er wie reagiert? Gibt es bestimmte Muster, die sich wiederholen? Und natürlich sollten wir dabei gerade die schwierigen Situationen ganz besonders beachten, in denen unser Autopilot eben nicht die beste Lösung für unser Verhalten geliefert hat.

Sie könnten diese Gedanken jetzt schnell abtun mit Sprüchen wie “Selbstkritik hat noch niemals geschadet” oder”aus Fehlern wird man klug”. Dann hätte genau jetzt Ihr Autopilot wieder einmal die Führung übernommen, um Sie vor unangenehmen Überlegungen zu bewahren. Sie können aber auch mit erfahrenen Vertrauenspersonen – intern oder extern – ins Gespräch kommen, um Ihrem Autopiloten einen neuen, wirkungsvollen Algorithmus für den Umgang mit Ihrer Macht hinzuzufügen.
Ich wünsche Ihnen dabei viel Erfolg!

Sie wünschen mehr Informationen über das Thema Autopiloten, wie sie diese erkennen und im Alltag bewusst reagieren können? Dann freue ich mich auf Ihren Anruf oder

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