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KARRIEREHINDERNIS CHEF?

Guten Tag liebe Leserin, lieber Leser,

Wenn Sie die ersten Führungsaufgaben übernommen haben, dann betrachten Sie jetzt Ihren Chef oder Ihre Chefin vielleicht als Ihren wichtigsten Partner und Förderer. Denn dies ist für Sie ein Einstieg in eine Entwicklung – und nicht etwa deren Ende! Sie sammeln schnell und intensiv Erfahrungen, beraten Sich oft mit Ihren Vorgesetzten und erobern Sich eine Position im Kreise Ihrer Chef-Kollegen, besetzen also Ihren Platz in der Führungshierarchie. Das gelingt natürlich nur, wenn Ihre unmittelbaren Vorgesetzten an Ihrem Erfolg interessiert sind und Sie entsprechend unterstützen.

Klar, Vorgesetzte sollen nicht nur fordern, sie sollen auch fördern.

Sie sollen…

Wollen sie auch? Sie können Sich in Ihrem Umfeld umschauen und wirst bestimmt gute Führungskräfte finden, die das tun. Sie denken darüber nach, was noch so in Ihren Kollegen drin steckt und wie man es ans Licht holen kann. Sie glauben, dass die vielfältigen Begabungen, Talente, Interessen und Fähigkeiten jedes Menschen wertvoll sind und genutzt werden sollten. Und deshalb machen sie auch Vorschläge, in welche Richtung die Entwicklung gehen könnte, sie unterstützen die Aktivitäten zur Erweiterung von Potenzialen und manchmal machen sie sogar den eigenen Platz frei, um sich selbst auch weiter zu entwickeln – und geben damit einem anderen die Chance, diesen Job sogar noch besser zu machen, als sie es selbst getan haben.

Und was ist mit den anderen Führungskräften? Was treibt so manche Chefs, ihre KollegInnen eher am Vorwärtskommen zu hindern, als zu unterstützen? Warum greift man sogar zu Bossing, missbraucht also seine Führungsposition um andere in ihrer Entwicklung zu stören, ja sogar Karrieren zu vernichten?

Sie denken jetzt vielleicht:

Das sind die Unfähigen, die Angst haben, dass ihre Unfähigkeit sichtbar wird. Oder auch: Die haben einfach einen schlechten Charakter und gönnen anderen nichts Gutes. Vielleicht kommt Ihnen auch der Gedanke, dass man als Führungskraft einfach gelernt hat, „seine Ellenbogen einzusetzen“ und das jetzt IMMER tut?

Mit einem Wort – Chef zu werden erfordert sowieso Rücksichtslosigkeit und Egoismus, deshalb können Führungskräfte gar nicht fair sein?

Falsch gedacht! Und wenn Sie ehrlich zu Sich selber sind, dann wissen Sie das auch. Sie wissen, dass auch Chefs ganz normale Menschen sind wie Sie und ich. Denn wir selbst sind ja auch nicht immer fair, können nicht jeden leiden und möchten nicht jedem helfen. Und wir wissen auch, dass nicht jeder Entwicklungswunsch in jede Umgebung passt.  Karrieren sind unter anderem auch aus diesem Grunde gar nicht überall möglich: was nicht gebraucht wird, wird auch nicht gefördert. Es ist also nicht immer Gemeinheit oder Unverständnis, wenn Chefs bestimmte Aufgaben oder Positionen nicht an diejenigen übertragen, die sich das am meisten wünschen. Im Gegenteil, das ist manches Mal sogar Fürsorge. Wenn nämlich jemand nach einer Position strebt, für welche die Befähigung gar nicht vorhanden ist, dann schützt Chef den betreffenden vor dem Versagen und somit vor peinlichen oder gar teuren Niederlagen.

Ich meine also, dass es nicht immer Bossing ist, wenn die ersehnte „Beförderung“ ausbleibt. Schließlich wissen wir doch alle, dass mancher sich selbst gern überschätzt. Was ich mit Bossing gegen die Karriere meine, ist folgendes Führungsverhalten:

  • Zunächst wird eine Entwicklung gefordert. Es werden z.B. Weiterbildungs- Maßnahmen mit Ihnen vereinbart, deren erfolgreicher (!) Abschluss als Mindestvoraussetzung für weitere Karriereschritte definiert wird. Durchführung und Erfolg werden aufmerksam kontrolliert. Im Ergebnis wird festgestellt, dass der Erfolg noch nicht ganz ausreichend war und weitere Maßnahmen notwendig sind. Sie haben noch Reserven!
  • Die nächsten „vereinbarten“ Maßnahmen sind jetzt schon eine Kombination aus mehr Belastung mit mehr Kontrolle. Ihr Aufgabenbereich wird erweitert (um die praktischen Leistungen zu „verbessern“), die Bewertungsmaßstäbe werden verschärft und Ihre Motivation wird immer kritischer beurteilt. Im Ergebnis wird scheinbar positives Feedback gegeben. Zum Beispiel wird Ihnen „eine gute Entwicklung“ bescheinigt oder ein „wichtiger Beitrag zur Teamleistung“ bestätigt. Die Aufforderung heißt direkt oder indirekt: Machen Sie weiter so, aber strengen Sie sich noch ein bisschen mehr an, dann wird das schon noch mit der Karriere.
  • Weil also erste Fortschritte zu sehen sind, bekommen Sie jetzt schwierigere Aufgaben zugeteilt, allerdings ohne darauf vorbereitet zu werden. Und ab hier wird es Bossing. Der Psychoterror beginnt ganz unauffällig. Sie sollen zum Beispiel den Chef auf Meetings oder in Arbeitsgruppen vertreten – kennen aber weder dessen Aufgabe in diesem Zusammenhang, noch wissen Sie, welche Position oder Meinung Chef hier vertritt/vertreten hat. Es bleibt also für Ihr eigenes Verhalten nur die Wahl zwischen stummer Beobachterrolle mit anschließender Berichterstatter- Funktion oder ein Agieren nach eigener Auffassung: äußern der eigenen Meinung, nach bestem Wissen zum Thema beitragen, das Team und den Chef würdig vertreten. Beides kann schief gehen, weil beides natürlich nicht das ist, was Chef selbst getan hätte! Wahlweise kann sich so auch eine Vertretung anderer Kollegen oder die Urlaubsvertretung für den Chef abspielen: Sie versuchen, in seinen Sinne zu handeln. Da Sie aber unzureichend instruiert wurden, sind Sie Sich gar nicht sicher, was „in seinem Sinne“ ist. Es ist also egal, ob Sie Sich zurückhalten oder aktiv auftreten. Im Ergebnis gibt es oberflächlichen „Dank für den Einsatz“ und mehr oder weniger scharfe Kritik für das Ergebnis, in beiden Fällen!
  • Da Sie aber immer noch Ehrgeiz zeigen und gern vorwärts kommen möchten (obwohl Ihr Chef schon etwas anderes beschlossen hat), bekommen Sie jetzt noch mehr und schwierigere Aufgaben aus dringender betrieblicher Notwendigkeit oder aus Firmeninteresse bzw. Markterfordernis übertragen. Und weil Ihr Chef nicht offen mit Ihnen gesprochen hat, halten Sie das für ein gutes Zeichen: Er scheint von Ihren Fähigkeiten überzeugt, sonst hätte er Ihnen diese Aufgaben nicht gestellt! Sie zeigen also vollen Einsatz, weil Sie Sich kurz vor dem Ziel glauben. Sie knien Sich rein, machen Sich unersetzbar, sind bestens informiert, versuchen, alles unter einen Hut zu bringen, setzen andere Prioritäten als bisher und fühlen Sich voll in Ihrem Element auf der Zielgeraden. Dabei ist Ihnen keine Hürde zu hoch, keine Anstrengung zu groß. Sie fokussieren Sich voll auf die wichtigsten Aufgaben in dieser vermeintlich entscheidenden Etappe – vernachlässigen Familie und Freunde, verzichten auf Freizeit, achten nicht auf Ihre Gesundheit, glauben Sich im Flow.
  • Chef und Kollegen fangen an, Ihren Einsatz als „besonders hoch“ einzuschätzen. Damit meinen sie aber etwas anderes als Sie glauben. Zunächst wird festgestellt, dass Sie häufiger als früher bei sogenannten Kleinigkeiten versagen, Fehler machen, unaufmerksam oder vergesslich sind. Da man von Kleinigkeiten spricht, glauben Sie, das wäre nicht so schlimm. Das Gegenteil ist der Fall! Wenn Sie schon bei den Kleinigkeiten versagen, wie soll denn das bei größeren Problemen aussehen? Sie scheinen Sich für besser zu halten, als Sie sind! Man muss Ihnen mal klar machen, dass Ihr Verhalten sehr zu wünschen übrig lässt, weil Sie die Leistungen der anderen ungenügend wertschätzt und Ihrer Verantwortung nicht voll gerecht werden. Denn Einsatz ist schließlich nicht alles, es kommt auf das Ergebnis an – auch in den „Kleinigkeiten“!
  • Jetzt kann Ihr Chef Ihnen nur noch „Hilfe“ anbieten. Das ist jedoch keine Hilfe im Sinne einer Förderung und Vorbereitung auf den nächsten Entwicklungsschritt. Zunächst müssen Sie mal etwas kürzer treten, weil Sie Sich ja offenbar überschätzt haben. Es kommt jetzt erst einmal darauf an, Ihre Leistungen wieder zu stabilisieren (auf einem niedrigeren Niveau, damit Sie nicht in den Burnout abrutschen). Danach wird man weitersehen, aber jetzt ist Ihre Gesundheit erst mal das Wichtigste. Man möchte Sie nämlich nicht „verlieren“, Sie sollen nicht ausfallen, Sie werden gebraucht und man weiß Sie als wertvolles Teammitglied zu schätzen – eine Karriere kommt aber im Moment nicht in Frage.
  • Und diese Einschätzung wird jetzt vor allem von Ihrem Chef immer öfter auch vor anderen vertreten. Das „schützt“ Sie davor, dass andere Ihnen eine Weiterentwicklung zutrauen, vorschlagen oder Sie sogar dazu auffordern. Natürlich erfahren Sie nicht direkt von diesen Zusammenhängen. Sie spüren nur, dass das Interesse an Ihnen und Ihrer Leistung nachlässt, dass Ihre Beurteilungen kritischer ausfallen als angemessen und dass plötzlich andere Kollegen bessere Chancen zu haben scheinen als Sie. Vielleicht zieht sogar jemand „an Ihnen vorbei“, dem Sie das nicht zugetraut hätten …

Und wenn Sie jetzt krank werden, ist das kein Wunder – sondern für die anderen die Bestätigung, dass Sie Sich überschätzt haben. Vielleicht sind Sie sogar am Ende Ihrer Leistungsfähigkeit angekommen?

Natürlich kennen Sie ähnliche Vorgänge aus Ihrem Umfeld.  Vielleicht haben Sie selbst auch schon einmal gemeint, dass der eine oder die andere von Ihren Kollegen zu ehrgeizig war und sich selbst überschätzt hat. Dass dabei Bossing im Spiel war, ist Ihnen vielleicht gar nicht aufgefallen? Welche Führungskraft tut denn so etwas?

Bossing ist häufiger, als man denkt! Und es wird kaum darüber gesprochen – jedenfalls nicht offen und vor allem nicht mit den Betroffenen. Bestenfalls wird mal im vertrauten Kreis geklagt, wie unfair Führungskräfte untereinander im allgemeinen und der eigene Chef im Besonderen sind. Dann reagieren Freunde und Verwandte mit Ratschlägen, die wenig hilfreich sind oder sie versuchen, mitleidig und verständnisvoll zu trösten. Denn da kann man nichts machen! Am häufigsten ist der Rat, es auszuhalten oder doch einfach die Stelle zu wechseln.

Und mancher meint auch, das gehöre eben dazu: Wer selbst Führungskraft sein will, muss da durch. Schließlich sind die anderen doch Konkurrenten. Man steht eben im Wettbewerb um die Gunst der jeweils höheren Führungsebene! Und „da oben“ ist die Luft nun mal dünn und die Plätze sind rar. Man muss sich also seine Mannschaft entsprechend aussuchen und zusammenstellen – und man muss aufpassen, dass die eigene Position nicht gefährdet wird. Der Wettbewerb um die Karriere fühlt sich eben auch deshalb an wie ein Bad im Rasierklingen-Teich. Wer da Fairness erwartet, ist einfach naiv!

Ich bin überzeugt, dass dies eine falsche Vorstellung sowohl von Führungskräften als auch von Karriere ist.

Dennoch gibt es sie, die so genannten gläsernen Decken in der Führungshierarchie: die unsichtbaren Horizonte, über die man in der persönlichen Karriere nicht hinauskommt, ohne dass ein Grund dafür offensichtlich ist. Besonders Frauen in Führungspositionen bekommen das zu spüren, wenn sie sich über das ihnen zugedachte Maß hinaus entwickeln möchten. Wie oft verbirgt sich dahinter eine ganz konkrete Person, nämlich der eigene Chef? Der natürlich niemals zugeben würde, dass er das entscheidende Karrierehindernis ist! Der sich gut mit begründeten Zweifeln herausreden kann. Der auch leicht vorgeben kann, Frau hätte ihre Entwicklungswünsche nicht deutlich genug erkennen lassen. Oder der andere Kandidaten für geeigneter hält und diese bewusst nach anderen Kriterien (besser) beurteilt. Und der plötzlich in der Lage ist, Empfehlungen auszusprechen oder gar eine neue Führungsposition zu etablieren – für jemand anderen!

Um es ganz deutlich zu sagen: Keine Führungskraft ist verpflichtet, für andere eine Wunschkarriere zu basteln. Wer sich entwickeln will, ist dafür zuallererst selbst verantwortlich! Wenn aber Führungskräfte die Entwicklung der ihnen anvertrauten Kolleginnen und Kollegen von vornherein auf ein bestimmtes Level begrenzen und damit limitieren, gleichzeitig  jedoch Druck ausüben und ständige Leistungssteigerungen fordern, dann ist das Verweigerung von Entwicklungsmöglichkeiten und somit Bossing. Dann ist es Zeit, sich zu wehren!

Und dazu suchen Sie Sich am besten einen kompetenten Sparringspartner außerhalb des Arbeitsumfeldes. Ein persönlicher Coach, ohne Interessenkonflikte mit der Struktur Ihres Arbeitgebers, kann Ihnen neue Blickwinkel und Möglichkeiten für den souveränen Umgang mit dieser Situation eröffnen. Sie können Lösungen jenseits der Kündigung finden. Je früher Sie reagieren, umso sicherer können Sie auch peinliche Szenen vermeiden und Ihnen Anwaltskosten sparen. Und vor allem: Sie müssen selbst nicht zu unfairen Mitteln greifen! Wenn Sie es genauer wissen möchtest, können Sie mich gerne fragen. Nehmen Sie einfach Kontakt mit mir auf, um mehr zu erfahren. Ich melde mich bei Ihnen, so schnell es geht.

Einen guten Start in den Sommer wünsche ich Ihnen

Alles Gute, Karin Rasmussen

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