Dämon Chef:in? Blogbeitrag Karin Rasmussen

Dämon Chef:in?

Es gibt viele Gründe, warum wir unsere Vorgesetzten, Politiker und Amtsinhaber genauer betrachten sollten! 

Der wichtigste Grund: DIE tun es! Sie betrachten sowohl uns als auch Ihresgleichen sehr genau.

Und wir?

Wenn wir sie nur aus hierarchischer Sicht zur Kenntnis nehmen, dann befinden sie sich für gewöhnlich irgendwo “oben”, also über uns. Natürlich ist es aus dieser Perspektive sehr schwer, einen ganzen Menschen zu sehen und sich einen umfassenden Eindruck von einer Persönlichkeit zu machen. Wenn Sie, liebe Leser:innen sich das mal bildlich vorstellen, wird schnell klar, was ich meine. Wie sieht denn ein Mensch, von unten wahrgenommen, aus? Verzerrt auf jeden Fall, egal ob man sich das sitzend oder stehend vorstellt. In der stehenden, also aufrechten Variante, sieht man je nach Abstand vielleicht nur noch die Schuhe. Dann ist es kein Wunder, wenn man sich schnell mal “mit Füßen getreten” fühlt. Sieht man eher die sitzende Version, ist der Anblick auch nicht erfreulicher. Eine durchsichtige Sitzfläche, von unten betrachtet, offenbart beileibe keine Persönlichkeit. Vielleicht denken (und reden) deshalb so viele Menschen schlecht von denen da OBEN? Die umgekehrte Perspektive kann dann logischerweise auch nur noch den Blick von oben herab ergeben.

Dabei wünschen wir uns doch alle, auf Augenhöhe miteinander umzugehen.

Denn genaugenommen haben es beide Seiten verdient. Unsere Vorgesetzten, Politiker und Amtsinhaber sind schließlich Menschen! Es ist keine besondere Spezies, die schon bei der Geburt einer ganz anderen Kategorie angehört als wir. Fast alle sind in ihrer Kindheit und Jugend ein Stück eines ähnlichen Entwicklungsweges mit uns und Unseresgleichen gemeinsam gegangen. Wir haben also wahrscheinlich mehr Gemeinsamkeiten als Differenzen. Nicht nur die Biologie und Genetik machen uns ähnlich, auch Sprache und Kultur, Geschichte und Gesellschaft haben wir gemeinsam. Natürlich gilt auch das für beide Seiten. Der hierarchische Blick auf andere ist also zu verzerrt, um klar zu sehen. Wenn wir uns das öfter bewusst machen würden, könnten wir voraussichtlich besser auf Augenhöhe kommunizieren und kooperieren.

Das Gemeinsame macht erwiesenermaßen glücklicher,

als es Herrschaft und Unterwerfung oder Gehorsam gegenüber einer scheinbar unüberwindlichen Macht jemals könnten. Wenn wir genauer hinschauen wird uns bewusst, dass kein Mensch allmächtig ist. Dann erkennen wir auch besser, wann und wo wir durch eigenen Machtverzicht andere “nach oben” getrieben oder gelassen haben. Denn Führungskräfte machen sich niemals selbst! Sie werden in allen Bereichen, ob Politik, Wirtschaft oder Gesellschaft, immer mit der Macht ausgestattet, die sie dann umsetzen. Wenn also Autokraten über das Schicksal von Vielen entscheiden, dann können ebenso Viele über das Schicksal von Autokraten entscheiden. Und wenn Viele auf Augenhöhe kommunizieren und kooperieren, dann haben Autokraten schlechte Karten.

Es kommt aber dabei nicht ausschließlich auf das Mengenverhältnis an! Auch Mehrheiten können sich irren. Die Menge an sich hat nicht automatisch die nötige Kompetenz, um zum gemeinsamen Fortschritt und Wohlergehen die richtigen Entscheidungen zu treffen. Schon deshalb sollten wir immer wieder genauer hinschauen, wenn wir unsere Vorgesetzten, Politiker und Amtsinhaber betrachten. Kein Mensch hat jemals ausgelernt, niemand ist allwissend! Der Masse-Blick ist zu ungenau, um die Qualitäten von Führungspersönlichkeiten zu erkennen. Erst durch kollektive Führung wird Kooperation auf Augenhöhe realistischer. 

Auch die Demokratie kann erst mit echter kollektiver Führung die Mehrheiten-“Krücke” überwinden. Denn das Zahlen- resp. “Kräfte”-Verhältnis lässt sich allzu leicht durch geschickte Werbung und ideologische Argumentation verschieben, wenn die Verantwortung bei wenigen bleibt. Kollektive Führung  heißt aber auch, die Verantwortung gemeinsam zu tragen. Dann werden gegenseitige Schuldzuweisungen ebenso überflüssig wie das Verschieben von Pflichten oder das Blockieren von Initiativen. 

Und damit komme ich zu meinem heutigen Anliegen:

Der Überwindung von Feindbildern! Das Hervorheben von Unterschieden allein ist nämlich zwar hinderlich, aber noch nicht wirklich schädlich. Schädlich wird es, wenn die Träger der Unterschiede zum Feind erklärt werden. Wenn mittels böswilliger oder feindseliger Unterstellungen, irreführender Interpretationen und egozentrischer moralisierender Bewertungen nicht nur Eigenschaften, sondern Menschen, respektive Persönlichkeiten, für “falsch” erklärt werden. Auf dieser Basis lässt sich nicht verhandeln. So können keine Lösungen gefunden werden. Im Gegenteil: es bilden sich auf allen gegenüberstehenden Seiten tödliche Heldenmythen heraus: Gut und groß ist, wer möglichst viele der “anderen” ausbremst, überwindet, beseitigt, vernichtet. Es geht dabei nicht ums “Gefressen werden”, auch nicht ums Beute machen, sondern nur noch um Vorherrschaft – das arrogante Konzept, die Welt, die Menschen oder wenigstens die eigenen Vorgesetzten oder Kollegen nach dem eigenen Bilde zu formen. Denn so wie die sind, dürften die doch auf keinen Fall sein! 

Sind sie aber.

Denn Diversity ist ein naturgegebener Zustand. Wir sind von ganz alleine unterschiedlich, ob wir wollen oder nicht! Und diese Diversity ist eine der wichtigsten Ursachen dafür, dass es die Menschheit überhaupt noch gibt. Denn gerade das Anders-sein hat immer wieder dazu geführt, dass wir Schwierigkeiten gemeinsam überwinden konnten, indem wir uns gegenseitig mit unseren Fähigkeiten und Eigenschaften ergänzt haben. Falls Sie, liebe Leser:innen jetzt spontan nach “gut oder schlecht, richtig oder falsch” unterscheiden wollen, dann überprüfen Sie bitte wieder mal, welchen Maßstab Sie dafür anwenden. Ihre eigene Moral? Die vermutliche Meinung einer Mehrheit? Lehren, die Sie von anderen übernommen haben? Erfahrungen, die sich bewährt haben? 

Wer glaubt, diese Bewertung fehlerfrei vornehmen zu können, sollte dafür auch die Verantwortung übernehmen. Aber wenn Sie feststellen, dass Sie sich irren, schon geirrt haben oder auch in Zukunft irren könnten, dann sind Sie vielleicht etwas vorsichtiger mit Ihren Urteilen. Wir bekommen es gerade sehr intensiv zu spüren: Feindbilder sind hoch ansteckend! Deshalb ist der vergleichende Blick zwischen Erwartung und Realität so gefährlich. Weil Erwartungen in aller Regel höher als erfüllbar sind. Wenn dann die enttäuschte Erwartung zur Abwertung, Geringschätzung und sogar Ablehnung der Persönlichkeiten führt, wird daraus schnell ein feindseliger Konflikt. An dieser Ideologie der Gegnerschaft sind schon ganze Weltreiche zerbrochen und in unserem Alltag so manches Arbeitsverhältnis. Sie haben es ja sicher schon öfter gehört oder gelesen: “Mitarbeiter verlassen nicht ihre Firma, sondern ihre Vorgesetzten.” Egal, ob das gerechtfertigt ist, solches Denken sucht und findet Schuldige. Endlich ist klar, gegen wen man vorgehen soll, wer etwas ändern muss. 

Wenn Sie ernsthaft an einem Umgang mit der Macht auf Augenhöhe interessiert sind, dann schauen Sie sich unsere Vorgesetzten, Politiker und Amtsinhaber doch bitte genauer an, ehe Sie ein Urteil fällen. Machen Sie sich bewusst, dass wir alle zusammen das bewirken, was wir erleben. Diversity – die  Vielfalt und Verschiedenheit aller Menschen – wird, wenn sie ernst genommen wird, von einer anstrengenden Herausforderung zur mächtigen Ressource. Die Macht der anderen verliert ihre dämonische Gestalt, wenn Sie auf Ihre eigene Macht nicht verzichten!

Bei Ihrem kompetenten Umgang mit Ihrer Macht begleite ich Sie gern durch die schwierigen Passagen. Lassen Sie uns darüber reden bei >
GANZ UNTER UNS<

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