Meine Vorbilder und Mentoren

Ohne sie wäre ich heute nicht das, was ich im Laufe der Zeit geworden bin: Meine Vorbilder, Mentoren und Lehrer.

Die Lehrer aus der Schulzeit haben mich, so gut sie eben konnten, vorzubereiten versucht auf das Leben, das sie zu kennen meinten. Irgendwie lag das – auch aus ihrer Sicht – ziemlich weit in der Zukunft. Deshalb gaben sie mir die wesentlichen Basics mit auf den Weg – Lesen, Schreiben, Rechnen, Streit vermeiden, Anstrengungen unternehmen und Fehler ausmerzen. Nichts davon möchte ich NICHT können, aber ausreichend war das auch nicht!

In meinen Studenten- und frühen Berufsjahren kamen dann die ersten Vorbilder und Mentoren für das wahre Leben zu den Hochschullehrern dazu, die mir in erster Linie Wissen zur Verfügung stellten. Meine Vorbilder waren so etwas wie Wegweiser. Sie konnten sozusagen als Beweis gelten, dass Ziele erreichbar sind. Mentoren waren dagegen eher Helfer und Unterstützer, die meine Entwicklung wohlwollend aber nicht ohne Kritik begleitet haben, jedoch ohne Vorgaben und ohne mir Grenzen zu setzen. Bis heute bin ich froh und dankbar, diese Vorbilder und Mentoren an meiner Seite zu wissen. Denn dass ich mich in die Selbständigkeit gewagt habe, verdanke ich zum großen Teil ihrer Unterstützung.

Mein erster Kurs als selbständige Trainerin war eine Maßnahme nach § 41a AFG (eine „notwendige Anpassungsqualifizierung“). Diesen Auftrag bekam ich 1993 von der Bundesanstalt für Arbeit, dem damaligen Arbeitsamt in Sömmerda/Thüringen. Ich sollte 45 schwer vermittelbaren Teilnehmern im Alter zwischen 38 und 55 Jahren über 6 Wochen in täglich 8 Unterrichtseinheiten die Systeme der Bundesrepublik, der Marktwirtschaft, der Arbeits- und Sozialverwaltung usw. erklären. Denn in diesen Systemen mussten sie sich ab sofort orientieren, wenn sie ihre Ansprüche auf „Existenzsicherung“ befriedigen wollten. Es gab nur ein Problem: 2/3 meiner Kursteilnehmer waren funktionale Analphabeten! Sie konnten mit Mühe ihren Namen, ihr Geburtsdatum und ihre Anschrift auf Dokumente setzen, deren Inhalt sie aber nicht verstanden. Was nützte es also, Ihnen zum Beispiel den Sinn von Unterhaltsanträgen zu erklären, wenn sie diese nicht lesen, geschweige denn richtig ausfüllen konnten? Wie sollte ich oder sonst jemand diesen Menschen helfen können?

Mir wurde blitzartig innerhalb von Sekunden an meinem ersten Tag in diesem Kurs klar, wie tief der Wende-Riss durch die Biografien von Millionen Menschen ging. Und ich verstand, wo meine Aufgabe war: Mein Wissen und meine Erfahrung zur Verfügung zu stellen, damit Menschen die Umstände ihres Lebens nicht als Schicksal erdulden müssen, sondern selbstbestimmt das für sie Beste daraus machen können. Eine Riesen-Aufgabe, die mein ganzes Leben ausfüllen würde.

Ich bin noch heute den Teilnehmern meines ersten Kurses dankbar dafür, dass sie mir in dieser einen Schock-Sekunde die Augen geöffnet haben, dafür

  • dass jeder Mensch wertvoll ist, unabhängig von Beruf, Geschlecht, Alter, sozialem Status
  • dass Bildung in vielfältigster Form funktioniert – und fehlt
  • dass jeder Verwaltungsakt eine Form der Machtausübung ist
  • dass Macht nicht „von oben“ kommt
  • dass es für jedes Problem mehrere machbare Lösungen gibt
  • dass Kooperation die Basis des Überlebens ist
  • dass Wettbewerb NICHT motiviert, sondern Ressourcen verbrennt

Und dafür,

  • dass ich nie genug weiß, immer weiter lernen will und dass ich gebraucht werde
  • und dass mein Wissen geschätzt wird, wenn es für andere Nutzen bringt.

Ich habe seitdem in vielen anderen Kursen, Trainings und Coachings noch viele andere Schwierigkeiten kennengelernt, mit denen Menschen durch die Umstände ihres Lebens konfrontiert werden und ich habe gelernt, Lösungen zu suchen und zu finden, die den Menschen ihre eigene Macht bewusst machen und ihre Selbstverantwortung zurückgeben.

Dabei habe ich selbst von großartigen Kollegen gelernt. Neben zahlreichen Lehrern meiner Schulzeit und Hochschullehrern aus dem Anfang meiner Berufslaufbahn können hier nur einige meiner Trainerkollegen und Coaches erwähnt werden. Besonders dankbar bin ich Dr. Karl Werner Ehrhardt, Hanns-Georg von Wolff, Vera F. Birkenbihl, Martin Weiss, Dr. Gerardo O.-Ebert, Eberhard und Maxi Frey, Herrmann Scherer, Alfred Himmelweiss und vielen anderen. Ganz besonderer Dank gilt meinem langjährigen Ehemann und Geschäftspartner Dr. Bernd Rasmussen († 2010) für seine Ausdauer, Zuverlässigkeit und ständige Ermutigung. Wir alle haben gemeinsam viele Schwierigkeiten gemeistert und bemühen uns weiter. Ohne dieses hoch kompetente Netzwerk von Freunden und Kollegen wäre ich heute nicht die, die ich bin.